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Aargauer
Zeitung /
MLZ;
2003-10-24; Seite 1 Baden Stille Schaffer für einmal im Rampenlicht CORDULAFEIER · Würdigung für verdienstvolles Wirken und Einsetzung von Nicole Kamm als «Cordula 2003» Zum 40. Mal in der Neuzeit hat die Spanischbrödlizunft jenes Tages im Jahre 1444 gedacht, an dem kriegerische Zürcher Eindringlinge von Bürgerinnen und Bürgern heldenhaft aus der Stadt vertrieben worden waren. Michael Mülli Trommler der Tambourenvereinigung Wettingen und Umgebung führten den kleinen Festzug an, in dem die Brödliräte, die geehrten Bürger, fackeltragende Pagen und (in der Kutsche noch inkognito) die diesjährigen Cordula vom Stadthaus zum Cordulaplatz zogen. Hier wurden sie vom in Scharen aufmarschierten Volk empfangen. Dieses erlebte eine würdige, der Tradition verpflichtete und hervorragend choreografierte Feier. Auch dieses Jahr liess sich der wiederum eingeladene Zürcher Stadtpräsident entschuldigen. Brödlimeister Jürg Bihn vermutete, das Fernbleiben stehe dieses Mal im Zusammenhang mit der Eroberung der Zürcher Casino-Lizenz durch Baden. Bereits zum zweiten Mal war dafür die Harmoniemusik Rohrdorf dabei: Sie erfüllte ihre Aufgabe als Zunftmusik nicht nur der Aufführung des «Badenfahrt-Marsches 1947» wegen glänzend. Es oblag dem Herold, den Schlachtbrief zu verlesen - in gekürzter und sprachlich bereinigter Fassung. Der historische Bericht schildert, wie in den Wirren des Alten Zürichkriegs frühmorgens des 22. Oktobers 1444 ein Trupp als Eidgenossen verkleideter Zürcher am Mellingertor Einlass begehrte. Sie gaben vor, im «Ochsen» zum Zmorgen zu wollen. Die getäuschte Wache öffnete das Tor, worauf eine grosse Schar Zürcher von der Schadenmühle her in die Stadt einfiel. Dank der Wehrhaftigkeit der Bürgerinnen und Bürger gelang es aber, die Eindringlinge bis zum Abend wieder zu vertreiben. In einem lebhaft präsentierten Tratsch unterhielten sich Klatschbase Klingelfuss und Torwächter Silberysen darüber, was gegenwärtig die Stadt bewegt (siehe unten), bevor der mit Spannung erwartete Moment kam, in dem die neue Cordula aus der Kutsche stieg (im Zuge der Gleichberechtigung durften ihr dieses Mal zwei Personen, Barbara Funk und Peter Sterk, dabei behilflich sein): Es war Nicole Kamm, die von nun an zeitlebens zusätzlich den Buchstaben C. in ihrem Namen tragen darf. Sie ist laut Bihn eine «Herzblutbadenerin» aus Rütihof und studiert an der Uni Zürich Anglistik und Betriebswirtschaft. Als erste Cordula-Pflicht hatte sie sodann den für ihr oft still erbrachtes Wirken geehrten Bürgern die Ehrengaben (Wein, Brot, Urkunde) zu übergeben. Erstmals erhielten diese zudem eine Medaille - als Ersatz für die früheren, nicht kopierbaren Vierzeiler von Zunftpoet Franz Doppler, der diese Aufgabe nach 35 Jahren abgegeben hat. Für seine Verdienste wurde er ausser Programm ebenso geehrt wie Philip Funk, der während seiner Stadtratszeit im Amt als Brödlirat quasi suspendiert worden war und den sich die Zunft jetzt nach seinem Rücktritt aus der Stadtregierung wieder zurücksehnt. Ebenso unprogrammgemäss würdigte Bihn Heinz Bürgler und Barbara Gebhard für ihre langjährigen Verdienste als Silberysen und Klingelfuss. Dann verteilten die Pagen und Brödliräte traditionsgemäss Wein und Brot unters Volk, bevor die Ehrengesellschaft per Extrabus ins «Du Parc» dislozierte, wo der feierliche Anlass seinen Abschluss fand. Ehrentribüne Die Geehrten (mit Band); v. l. hinten: Christopher Niehus, Nelly Sterk, Rosmarie Sekinger, Brigitte Schaefer Korder, Erwin Beusch; vorne: Werner und Ursina Mathis, Anton Rohner, Jürg Wetzel, Andrea Staubli, Trudi Adank. wal Cordula 2003 Nicole C. Kamm. DIE 11 GEEHRTEN Andrea Staubli ist seit 7 Jahren Bezirksgerichtspräsidentin und «mitschuldig», dass der Schandfleck Falken bald dem Gerichtsneubau Platz macht. Erwin Beusch war 16 Jahre Leiter Brücken- und Tunnelbau beim Kanton und zuständig für viele Projekte in und um Baden. Brigitte Schaefer Korder kam vor 38 Jahren als erste Frau an die Badener Oberstufe (Sek) und ist seit Juli pensioniert. Jürg Wetzel ist Kellermeister des Ortsbürgerweins, der dieses Jahr mit zwei Goldmedaillen ausgezeichnet wurde. Nelly Sterk hat 62 Jahre an der Kinokasse gearbeitet und wohl die meisten im Cordulafeierpublikum schon in kurzen Hosen ein- und aus gehen sehen. Anton Rohner arbeitete 41 Jahre bei den Städtischen Werken bzw. den Regionalwerken und hat in den letzten 14 Jahren an allen Festen für den Strom gesorgt. Trudi Adank hat 20 Jahre lang Stadtführungen geleitet und ist seit September pensioniert. Christopher Niehus leistet seit 29 Jahren ehrenamtliche Arbeit für die Junioren des Stadtturnvereins und der LV Wettingen-Baden. Rosmarie L. Sekinger führt seit 46 Jahren das älteste noch existierende Badener Geschäft: Das Tabakhaus am Löwenplatz gibt es seit 155 Jahren. Ursina und Werner Mathis sind seit mindestens 25 Jahren mit Musik und Schnitzelbänken aktiv an der Fasnacht mit dabei; als «Tingels» gibt es sie zwar nicht mehr, doch sollen sie dem Vernehmen nach 2004 als «Burnout» anzutreffen sein. (Mü)
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