Verjüngung an der Zunftspitze
BADEN
Bernhard Schmid löst Jürg Bihn nach acht Jahren als
Brödlimeister der Spanischbrödlizunft ab.
MICHAEL MüLLI
Der Staatsakt des Cantons Baden
(die eigentliche Generalversammlung der Spanischbrödlizunft) in der
Villa Boveri stand dieses Jahr ganz im Zeichen der
Regierungsübergabe: Nebst dem Brödlimeister trat auch
Zunftsäckelmeister Fritz Roth (nach 13 Jahren) zurück und übergab
das Amt Jürg Rüfenacht.
Jürg Bihn verbarg in seiner Rücktrittsrede nicht, dass
ihm der Abschied «von einer grossen und erfüllenden Tätigkeit»
mitunter auch schwer fällt. Andererseits empfinde er Glück für die
grosse Ehre, dass er seit insgesamt 18 Jahren für die
Spanischbrödlizunft wirken dürfe. In dieser Zeit fehlte er nur an
einer einzigen Brödliratssitzung, und dies auch nur, weil er als
junger Offizier in einem Kriegskommandoposten eingebunkert war. Man
soll auf dem Höhepunkt gehen, meinte Bihn. In der Tat kann er seinem
Nachfolger eine starke Organisation, die zu Lebensfreude und Humor
im Stadtleben ihren Beitrag leistet, übergeben.
Nach seinem letzten Rechenschaftsbericht als Zunftsäckelmeister
wurde Fritz Roth von Bihn würdig verabschiedet und in den
Emeritenrat aufgenommen. Es sei Roth durch Kreativität gelungen, die
Zunftfinanzen wieder ins Lot zu bringen, ohne je ein Vorhaben
verhindert zu haben. Auch für Zunftstatthalterin Joan Fuchs ging
nach zwei Jahren die Amtszeit zu Ende, in der sie, so Bihn, ihre
Funktion «extrem» engagiert wahrnahm.
Der mit Spannung erwartete Moment war gekommen: Die Inauguration der
neuen Amtsträger. Sie waren bereits vor einigen Wochen vom Brödlirat
in einer Konklavesitzung gewählt worden. Der neue Säckelmeister Jürg
Rüfenacht bekam aus den Händen seines Vorgängers nebst der Urkunde
einen Zählrahmen und Rotstift als Insignien überreicht.
Bernhard Schmid musste ein ganzes Prozedere durchstehen: Mit
Thermalwasser gewaschen, wurde ihm von Fasnachtsbischof Schampi I.
die Krone aufgesetzt, bevor Bihn die übrigen Insignien (Brödlimeisterrätsche
und -orden) weitergab. Schmids erste Amtshandlung (er löste sie
souverän) bestand in der Würdigung seines Vorgängers, wofür er sich
Zunftlordsiegelbewahrer (ZLS) Klaus Streif zur Seite nahm. Dieser
berief auch Bihn in den Emeritenrat, übergab ihm sogleich
Jakobinermütze und Schärpe und damit das Amt des ZLS, um sich selbst
zum Zunft-Women-Whisperer zu machen.
Damit stand der Weg frei für den Apéro, bei dem sich Zünfter und
Gäste zu einem angeregten Stelldichein zusammenfanden. Bereichert
wurde der Staatsakt des Cantons Baden, mit dem die
Spanischbrödlizunft jeweils des eigenen Cantons (1798 bis 1803)
gedenkt, durch die Zunftmusik (Harmonie Rohrdorf). |